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Der Kleinunternehmer und die Umsatzsteuer.
Wer ist Kleinunternehmer? Was ist die Kleinunternehmerregelung? Rechnungsmuster für Kleinunternehmer!

Steuerpflichten im Überblick

Die Kleinunternehmer-Vorschrift stammt aus dem Umsatzsteuerrecht. Auf die betriebliche Gewinnermittlung und andere Steuerarten hat die Vorschrift keine unmittelbaren Auswirkungen. Umsatzsteuerliche Kleinunternehmer müssen daher grundsätzlich dieselben Steuervorschriften beachten wie andere gewerbliche Unternehmer, Selbstständige, Freiberufler, Land- und Forstwirte:

  1. Einkommensteuer: Besteuert wird der Gewinn (= Einnahmen minus Ausgaben). Die im Einkommensteuergesetz und in der Abgabenordnung geregelten Buchführungs- und Steuerpflichten müssen auch von Kleinunternehmern beachtet werden.

  2. Gewerbesteuer: Besteuert wird der Gewerbeertrag, der in etwa so hoch ist wie der Gewinn laut Einkommensteuergesetz. Da Einzelunternehmer und Personengesellschaften Anspruch auf einen Steuer-Freibetrag von 24.500 Euro haben, spielt die von den Städten und Gemeinden erhobene Gewerbesteuer für Kleinunternehmer keine Rolle: Mit einem Jahresumsatz von 17.500 Euro lässt sich normalerweise kein Gewerbeertrag erzielen, der höher als 24.500 Euro ist!

Im Ergebnis halten sich die Steuerpflichten von Kleinunternehmern also in Grenzen: Faktisch können sich Kleinunternehmer auf die folgenden Aufgaben konzentrieren:

§ 149 Abgabenordnung schreibt vor, Jahressteuererklärungen spätestens fünf Monate nach Ende des betreffenden Jahres abgegeben werden. Ihre Gewinnermittlung, Einkommen- und Umsatzsteuererklärungen sind normalerweise also spätestens am 31. Mai des Folgejahres fällig. Auf Antrag gewähren viele Finanzämter auch einen Aufschub bis zum 30. September des Folgejahres. Wenn Sie einen Steuerberater einschalten, können Sie sich sogar bis 31. Dezember Zeit lassen.

Schnell erledigt: Umsatzsteuererklärung von Kleinunternehmern

Beginnen wir bei der Umsatzsteuererklärung: Die ist bei Kleinunternehmern schnell erledigt. Im Kern geht es um die ausdrückliche Bestätigung, dass der betreffende Unternehmer im betreffenden Jahr die Kleinunternehmer-Regelung in Anspruch nehmen durfte und seinen Kunden keine Umsatzsteuer in Rechnung gestellt hat.

Pflicht zur elektronischen Datenübermittlung – aber ohne elektronische Signatur

Die meisten betrieblichen Steuererklärungen müssen seit 2011 in elektronischer Form ans Finanzamt übertragen werden. Das gilt auch für die Umsatzsteuererklärung. Die darüber hinausgehende „Authentifizierung“ mithilfe der elektronischen Signatur ist für die Steuererklärungen von Kleinunternehmern jedoch nicht erforderlich.

Das Steuerrecht sieht außerdem eine Härtefallregelung vor, der zufolge Steuererklärungen in begründeten Ausnahmefällen noch in Papierform eingereicht werden können. Die Zahl der Bewilligungen sinkt zwar erkennbar. Falls Sie bislang noch keine Möglichkeit zur elektronischen Datenübermittlung haben, ist es Ihnen aber unbenommen, einen formlosen „Antrag zur Vermeidung unbilliger Härten“ zu stellen. Die dazugehörige Rechtsvorschrift finden Sie in § 150 Abs. 8 der Abgabenordnung. Wird Ihrem Antrag stattgegeben, erhalten Sie die Papierformulare beim Finanzamt – oder Sie nutzen die Formularmuster, die das Bundesfinanzministerium bereitstellt. Den Vordruck für das Jahr 2013 finden Sie zum Beispiel hier.

Datenübermittlung mit „ElsterFormular“

Falls Sie Ihre Steuererklärungen elektronisch übermitteln wollen und noch kein kommerzielles Buchführungsprogramm verwenden, können Sie die kostenlose Finanzamts-Software „ElsterFormular“ nutzen. Nach Download, Installation und erstem Programmstart klicken Sie auf „Unternehmer“ – „Umsatzsteuererklärung“ und wählen das gewünschte Jahr:

Anschließend …

Die Umsatzsteuererklärung eines Kleinunternehmers sieht dann zum Beispiel so aus:

Per Mausklick auf den Menüpunkt „Datenübermittlung“ - „Steuererklärung an das Finanzamt übermitteln“ starten Sie anschließend die elektronische Datenübertragung. Bei Bedarf können Sie zuvor einen Testversand vornehmen: Dazu dient der Menüpunkt „Datenübermittlung“ – „Test der nicht authentifizierten Datenübermittlung an das Finanzamt“.

Ihre Umsatzsteuerpflichten sind damit auch schon erfüllt. Fehlt noch die Gewinnermittlung für die Einkommensteuer:

Gewinnermittlung (EÜR) und Einkommensteuererklärung

Auch bei der Gewinnermittlung sind die Hürden vergleichsweise niedrig: Da Kleinunternehmer zugleich Kleingewerbetreibende sind, brauchen sie die HGB-Buchführungsvorschriften nicht zu beachten. Die anspruchsvollen „Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung“ (GoB ) gelten ebenfalls nicht. Mit Umsätzen von bis zu 17.500 Euro liegen Kleinunternehmer außerdem unter sämtlichen Umsatz- und Gewinngrenzen, ab denen gemäß § 141 Abgabenordnung eine doppelte kaufmännische Buchführung erforderlich ist.

Für Kleinunternehmer gelten damit die Vorschriften der vereinfachten Buchführung, die in § 4 Abs. 3 Einkommensteuergesetz zu finden sind. Mehr noch: Aufgrund ihrer geringen Einnahmen brauchen Kleinunternehmer die Gewinnermittlungs-Systematik der amtlichen „Anlage EÜR“ nicht zu beachten: Sie dürfen ihren Gewinn formlos ermitteln.

Die wichtigsten Form- und Inhaltsvorschriften im Überblick:

Betriebseinnahmen:
Verkäufe
3.595 Euro
Reparaturen
10.312 Euro
Sonstiges
1.093 Euro
Summe der Einnahmen:
15.000 Euro
 
Betriebsausgaben:
Fahrrad-Einkäufe
2.210 Euro
Werkstatt-Warmmiete
5.400 Euro
Werkzeuge und Maschinen
2.810 Euro
Telefon, Büromaterial
895 Euro
Sonstiges
423 Euro
Summe der Ausgaben:
11.738 Euro
Gewinn (Einnahmen minus Ausgaben)
3.262 Euro

 

Feinheiten der Gewinnermittlung beachten!

Unsere beispielhafte Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben dient nur der Illustration. Auch Kleinunternehmer müssen bei ihrer Gewinnermittlung unter Umständen weitergehende Vorschriften beachten. Schwierigkeiten bereiten erfahrungsgemäß die Bereiche …

Die auf Ihren Einzelfall zutreffenden Besonderheiten des Betriebsausgabenabzugs besprechen Sie am besten mit Ihrem Steuerberater. Welche Details dem Finanzamt ganz besonders am Herzen liegen, können Sie der amtlichen „Anleitung zur Anlage EÜR“ entnehmen (PDF, 293 KB).

Darüber hinaus gilt:

Tipp: Die Steuerformulare für Selbstständige, Gewerbetreibende, Land- und Forstwirte finden Sie im Formular-Management-System (FMS) der Bundesfinanzverwaltung. Hier die Direktlinks für das Steuerjahr 2013:

In vielen Fällen ist es damit getan, auf diesen Formularen lediglich vier Angaben zu machen: Name, Steuernummer, Betriebsbezeichnung und Höhe des Gewinns oder Verlusts. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

Elektronische Übermittlung der Einkommensteuererklärung?

Wie bereits gesagt: Bei der formlosen Gewinnermittlung ist die elektronische Datenübermittlung der EÜR technisch gar nicht möglich. Das ist mittlerweile sogar dem Bundesfinanzministerium aufgefallen: Im BMF-Schreiben vom 12.10.2012 heißt es: „Bei Betriebseinnahmen unter 17.500 Euro im Wirtschaftsjahr wird es nicht beanstandet, wenn der Steuererklärung anstelle des Vordrucks eine formlose Gewinnermittlung beigefügt wird. Insoweit wird auch auf die elektronische Übermittlung der Einnahmenüberschussrechnung nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz durch Datenfernübertragung verzichtet.“

Ihre formlose EÜR schicken Sie also per Post ans Finanzamt. Gleichzeitig sehen die Datenübermittlungsvorschriften jedoch unverändert vor, dass auch Kleinunternehmer die übrigen Teile ihrer Einkommensteuererklärung elektronisch ans Finanzamt übertragen müssen! Falls Ihnen das Probleme bereitet, können Sie (wie oben für die Umsatzsteuer) auch für die Einkommensteuererklärung einen formlosen „Antrag zur Vermeidung unbilliger Härten“ stellen. Die Härtefallklausel finden Sie in § 150 Abs. 8 der Abgabenordnung.

Andererseits: Wenn Sie für sonstige Zwecke ohnehin schon eine kommerzielle Steuer- oder Buchführungs-Software oder die amtliche Steuer-Software „ElsterFormular“ nutzen, können Sie damit auch gleich Ihre Einkommensteuererklärung elektronisch übermitteln.

Tipp: Sofern Sie für die Umsatzsteuer-Jahreserklärung bereits die Unternehmer-Version von „ElsterFormular“ installiert haben, laden Sie über den Navigations-Punkt „mehr“ – „weitere Steuererklärung“ – „jetzt starten“ …

 

… fehlende Einkommensteuer- und andere Steuerformulare nach:

 

Per Mausklick auf „Weiter“ starten Sie den Download. Nachdem der Download installiert worden ist, starten Sie das Programm „ElsterFormular“ neu und finden nun den zusätzlichen Eingabebereich „Privatperson“ mit der „Einkommensteuererklärung“ für das gewünschte Jahr:

 

Mit „neu erstellen“ legen Sie dort einen neuen Steuerfall an, in dem der „Hauptvordruck“ (= „Mantelbogen“) bereits angezeigt wird. Die elektronischen Formulare stimmen durchgängig mit der Systematik der Papierformulare überein. Am unteren linken Seitenrand finden Sie den Bereich „weitere Vordrucke“, über den Sie unter anderem die „Anlage G“, „Anlage L“ und / oder „Anlage S“ aufrufen können:

 

Nachdem Sie den Mantelbogen und alle anderen Vordrucke und Anlagen ausgefüllt haben, starten Sie per Mausklick auf den Menüpunkt „Datenübermittlung“ - „Steuererklärung an das Finanzamt übermitteln“ die elektronische Datenübertragung. Bei Bedarf können Sie zuvor einen Testversand vornehmen: Dafür dient der Menüpunkt „Datenübermittlung“ – „Test der nicht authentifizierten Datenübermittlung an das Finanzamt“.

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