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Der Kleinunternehmer und die Umsatzsteuer.
Wer ist Kleinunternehmer? Was ist die Kleinunternehmerregelung? Rechnungsmuster für Kleinunternehmer!

Auslandsgeschäfte

Wer Waren und Dienstleistungen im Ausland einkauft oder verkauft, muss die umsatzsteuerlichen Vorschriften internationaler Geschäfte beachten. EU- oder gar weltweite Transaktionen waren bis vor wenigen Jahren nahezu ausnahmslos mittelständischen und großen Unternehmen vorbehalten.

Im Zeitalter der Globalisierung und der Vereinheitlichung des europäischen Wirtschafsraumes werden aber auch immer mehr Kleinunternehmer grenzüberschreitend aktiv. Die wachsende Zahl elektronisch erbrachter Dienstleistungen verstärkt den Trend.

Da es in der EU und im übrigen Ausland keine einheitlichen „Kleinunternehmer-Regelungen“ gibt, gelten im internationalen Raum grundsätzlich die komplizierten Vorschriften der Regelbesteuerung. Bevor Sie ausländischen Kunden Ihre Waren und Dienstleistungen anbieten oder im Ausland auf Einkaufstour gehen, sollten Sie sich daher unbedingt Rat bei einem Steuerberater holen! Nach Möglichkeit wenden Sie sich an einen Experten, der Erfahrungen mit Auslandsgeschäften hat.

Praxistipp: Falls Sie noch keinen Steuerberater haben, sollten Sie Ihr Vorhaben zumindest mit einem Experten der Industrie- und Handelskammer besprechen. Sie können auch direkt beim Finanzamt nachfragen.

Grenzüberschreitende Umsätze

Frage: Was müssen Kleinunternehmer bei Geschäften mit ausländischen Kunden und Lieferanten beachten?

Antwort: Wenn Kleinunternehmer am internationalen Geschäftsleben teilnehmen, gelten sie als ganz normale Unternehmer. Vereinfachungen oder andere Privilegien können sie nicht in Anspruch nehmen. Wer sich im Inland auf umsatzsteuerlichen „Welpenschutz“ beruft, ist daher gut beraten, grenzüberschreitende Aktivitäten auf das notwendigste Maß beschränken.

Wem das inländische Umsatzsteuerrecht bereits kompliziert erscheint, ist mit den unüberschaubaren Steuer-, Ausfuhr- und Meldevorschriften für internationale Geschäften garantiert überfordert. Selbst erfahrne Praktiker verlieren hier schnell den Überblick. Bevor Sie ausländischen Kunden Ihre Waren und Dienstleistungen anbieten oder im Ausland auf Einkaufstour gehen, sollten Sie sich daher unbedingt Rat bei einem Steuerberater holen.

Frage: Trotzdem: Welche Vorschriften gelten denn nun für grenzüberschreitende Kleinunternehmer-Geschäfte?

Antwort: Wie so oft: Das kommt darauf an. Die umsatzsteuerlichen Vorschriften bei Auslandsgeschäften unterscheiden sich gravierend – je nachdem, ob …

Zu allem Überfluss gibt es für einzelne Waren und Dienstleistungen auch noch Sondervorschriften. Hinzu kommt, dass sich die Steuer- und Ausfuhrvorschriften bestimmter Ziel- oder Herkunfts-Drittländer ganz erheblich unterscheiden. Ohne die Spezialvorschriften im Einzelnen zu behandeln, hier zunächst ein kurzer Überblick über die wichtigsten Szenarien und Konstellationen:

* Übergabe in D: deutsche USt. / Versand: USt-freie Rechnung
** keine USt, unter Umständen aber Einfuhrumsatzsteuer

Die farblichen Markierungen haben folgende Bedeutung:

Was es mit der USt-IdNr. und dem „Reverse Charge“-Verfahren auf sich hat, wird weiter unten erläutert.

Umsatzsteuer-Identifikationsnummer („USt-IdNr.“)

Frage: Brauche ich eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer („USt-IdNr.“)?

Antwort: Jain. Bei Lieferungen und Leistungen aus und in Drittländer (siehe unten) spielt die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer keine Rolle. Sie brauchen die USt-IdNr. nur für bestimmte Geschäfte innerhalb der EU. Mit Ihrer USt-IdNr. beweisen Sie gegenüber EU-Geschäftspartnern Ihren Unternehmer-Status. Nur so kann die komplizierte Umsatzbesteuerung bei grenzüberschreitenden Geschäften korrekt abgewickelt werden. Immerhin:

Besteht ein Dienstleister aus einem anderen EU-Land auf der korrekten Anwendung der EU-Umsatzsteuervorschriften, brauchen beide Seiten eine USt-IdNr. (Mehr dazu weiter unten bei der Frage zum „Reverse Charge“-Verfahren.)

Auf jeden Fall unverzichtbar ist die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, wenn Sie selbst Waren und Dienstleistungen an Unternehmer in andere EU-Länder (= B2B) verkaufen wollen:

Verglichen mit den möglichen Folgeproblemen ist der eigentliche Antrag auf Vergabe einer Umsatzsteuer-Identifikationsnummer schnell erledigt. Sie beantragen Ihre USt-IdNr. über das Formular-Management-System (FMS) der Bundesfinanzverwaltung. Der Onlinedienst ist täglich von 5 Uhr bis 23 Uhr erreichbar:

Sie können Ihre USt-IdNr. aber auch postalisch oder telefonisch direkt beim Bundeszentralamt für Steuern beantragen. Auf der Website des Bundeszentralamts gibt es darüber hinaus ausführliche Informationen zur USt-IdNr.

„Reverse Charge“-Verfahren

Frage: Was hat es denn nun mit dem „Reverse Charge“-Verfahren auf sich?

Antwort: Als „Reverse Charge“-Verfahren wird generell die Umkehr der Steuerschuldnerschaft bezeichnet. Innerhalb der EU ist dieses Verfahren bei der Ein- und Ausfuhr bestimmter Waren vorgeschrieben (z. B. Gold, Altmetall, Schrott, Gas, Strom). Vor allem aber greift das Reverse-Charge-Verfahren bei grenzüberschreitenden Dienstleistungen („sonstigen Leistungen“) zwischen Unternehmern („B2B“) in der EU. Dabei muss der Rechnungsempfänger – und nicht wie sonst üblich der Rechnungsaussteller – die Umsatzsteuer an sein inländisches Finanzamt abführen.

Dreh- und Angelpunkt beim Reverse-Charge-Verfahren ist der Leistungsort. Bei grenzüberschreitenden Dienstleistungen für andere Unternehmen im EU-Raum gilt in der Regel der Sitz des Leistungsempfängers als Leistungsort (= Empfängerland-Prinzip / Bestimmungsland-Prinzip). Wo die Leistung tatsächlich erbracht wird, spielt keine Rolle.

Vorausgesetzt, beide Unternehmen verfügen über eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, darf der Leistungserbringer eine umsatzsteuerfreie Nettorechnung stellen. Die Steuerschuld geht dann auf den Leistungsempfänger über. Der Empfänger der umsatzsteuerfreien Rechnung muss den Umsatz bei seiner nächsten Umsatzsteuervoranmeldung angeben. Vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmer dürfen den fälligen Umsatzsteuerbetrag sofort wieder als Vorsteuer geltend machen. Da Kleinunternehmer nicht vorsteuerabzugsberechtigt sind, haben sie diese Möglichkeit nicht. Die von Kleinunternehmern im Rahmen des Reverse-Charge-Verfahrens gezahlte Umsatzsteuer stellt also – wie bei Privatpersonen – einen echten Kostenbestandteil dar.

Beispiel Google Adwords

Ein weitverbreitetes und für viele Kleinunternehmer ärgerliches Beispiel für die Anwendung des Reverse-Charge-Verfahrens ist die Abrechnung der bekannten „AdWords“-Anzeigen. Da sich die europäische Google-Zentrale in Irland befindet, handelt es sich bei diesen Online-Werbeanzeigen aus Sicht eines deutschen Kleinunternehmers um eine „innergemeinschaftliche sonstige Leistung“ von Google.

Wenn sich nun ein Kleinunternehmer entschließt, eine AdWords-Anzeigen zu schalten, bekommt er von Google eine Nettorechnung. Die Rechnung enthält den Hinweis: „Für die Mehrwertsteuer muss gemäß Artikel 196 der EU-Richtlinie 2006/112/EC der Empfänger aufkommen.“

Hintergrund: Bei der Einrichtung eines AdWords-Kontos müssen Google-Vertragspartner bestätigen, dass Ihr „Steuerstatus Unternehmen“ ist. Außerdem wird die USt-IdNr. des deutschen Vertragspartners erfragt. Doch selbst wenn diese Angabe fehlt, schickt Google erfahrungsgemäß eine Rechnung ohne die – eigentlich fällige – irische Umsatzsteuer in Höhe von 23 %.

Ganz gleich, ob mit oder ohne UStIdNr: Google behandelt seine AdWords-Kunden offenbar obligatorisch als Unternehmer. Für deutsche Kleinunternehmer, die eine solche umsatzsteuerfreie Dienstleistungsrechnung aus dem EU-Ausland bekommen, liegt der Leistungsort in Deutschland. Damit ist der Umsatz tatsächlich in Deutschland umsatzsteuerpflichtig.

Wichtig: Selbst wenn Sie als Kleinunternehmer normalerweise keine Umsatzsteuer-Voranmeldungen abgeben, sind Sie gemäß § 13b UStG („Leistungsempfänger als Steuerschuldner“) verpflichtet, die von Google auf Sie abgewälzte Umsatzsteuer für AdWords-Anzeigen bei Ihrem Finanzamt anzumelden und abzuführen! Voranmeldezeitraum ist normalerweise das Vierteljahr. Bei geringfügigen AdWords-Umsätzen von Kleinunternehmern genügt meistens aber auch die Anmeldung im Rahmen der Umsatzsteuer-Jahreserklärung. Am besten besprechen Sie die Details Ihres Einzelfalls mit einem Steuerberater oder Sie fragen direkt beim Finanzamt nach.

Praxistipp: Im Kapitel „Steuerpflichten im Überblick“ wird im Abschnitt „Schnell erledigt: Umsatzsteuererklärung von Kleinunternehmern“ gezeigt, wie Sie mit der kostenlosen Finanzamts-Software „ElsterFormular“ eine Umsatzsteuererklärung erstellen. Kleinunternehmer, die Google-AdWords-Umsätze melden müssen, machen dort zusätzlich folgende Angaben:

  • Auf Seite 1 der Umsatzsteuererklärungs-Formular setzen Sie ein Häkchen vor Zeile 27 („Ich habe dieser Steuererklärung die Anlage UR beigefügt“).
  • Anschließend klicken Sie am unteren linken Seitenrand im Bereich „weitere Vordrucke“ auf „Anlage UR“.
  • In der „Anlage UR“ tragen Sie in Zeile 22 („Steuerpflichtige sonstige Leistungen eines im übrigen Gemeinschaftsgebiet ansässigen Unternehmers“) als „Bemessungsgrundlage ohne Umsatzsteuer“ die Summe der Google-AdWords-Rechnungen ein (z. B. 500 Euro). Rechts daneben geben Sie den Steuerbetrag ein. Im Beispiel 500 Euro x 19 % Umsatzsteuer = 95 Euro. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

Damit ist die Sache für Kleinunternehmer auch schon erledigt: Ein anschließender Abzug der 95 Euro als Vorsteuer ist nicht zulässig. Das dürfen nur Unternehmer, die der Regelbesteuerung unterliegen (Stichwort: Vorsteuerabzugsberechtigung). Für Kleinunternehmer stellen die nachträglich fälligen 19 % Umsatzsteuer auf AdWords-Rechnungen also echte Zusatzkosten dar.

„Mini‐One‐Stop‐Shops“ (MOSS)

Frage: Für welche grenzüberschreitenden Dienstleistungen sind die „Mini‐One‐Stop‐Shops“ (MOSS) gedacht?

Antwort: Diese Sondervorschrift gilt zum Glück nur für eine recht überschaubare Zahl von Dienstleistern. Sie wird nur angewendet auf …

… die datenträgerlos auf elektronischem Weg (insbesondere per Streaming oder Download) für Privatleute in anderen EU-Ländern erbracht werden. Bei derartigen grenzüberschreitenden elektronischen B2C-Geschäften gilt seit 2015 der Wohnsitz des Kunden als Ort der Leistungserbringung. Die Folge: Als Dienstleister müssen Sie den Umsatzsteuersatz des EU-Landes in Rechnung stellen, in dem Ihr Privatkunde lebt.

Mehr noch: Sie sind grundsätzlich verpflichtet, die eingenommene Umsatzsteuer beim Finanzamt des EU-Landes anzumelden und abzuführen, an dem der Kunde seinen Wohnsitz hat! Da man kleinen und mittleren Unternehmen nicht zumuten kann, ihre oft geringfügigen Steuereinnahmen mit bis zu 28 verschiedenen EU-Finanzbehörden abzurechnen, haben EU-Bürokraten nationale Clearingstellen erfunden – eben die „Mini-One-Stop-Shops“ (MOSS).

Dorthin melden Unternehmen sämtliche Umsätze mit oben genannten elektronischen Dienstleistungen für Privatkunden in anderen EU-Ländern. Die nationalen Mini-One-Stop-Shops leiten die Meldungen und dazugehörigen Steuerzahlungen anschließend an die zuständigen Finanzämter in den anderen EU-Ländern weiter. In Deutschland wird der MOSS vom Bundeszentralamt für Steuer (BZSt) betrieben. Die MOSS-Registrierung erfolgt über das Elsteronline-Portal. Dort erledigen Sie später auch die vierteljährlichen Steuererklärungen (20. April, 20. Juli, 20. Oktober, 20. Januar).

Wichtig: Prüfen Sie als Kleinunternehmer genau, ob gelegentliche elektronische Dienstleistungen für private Endkunden in anderen EU-Ländern den damit verbundenen bürokratischen Aufwand wert sind. Auf keinen Fall sollten Sie sich in vorauseilendem Gehorsam beim deutschen Mini-One-Stop-Shop anmelden: Einmal registriert müssten Sie Ihre MOSS-Meldungen selbst dann abgeben, wenn Sie (noch) gar keine meldepflichtigen Umsätze erzielt haben!

Und gleich noch ein Tipp hinterher: Um die Umsatzsteuer-Komplikationen bei elektronischen Leistungen für Privatpersonen in anderen EU-Ländern zu umgehen, bietet sich der Umweg über Download-Plattformen und App-Stores an (wie den iTunes-Store von Apple oder Google Play). Voraussetzung für die in § 3 Abs. 11a UStG geregelte Möglichkeit ist, dass der Kleinunternehmer seine Leistung nicht direkt dem ausländischen Endverbraucher zur Verfügung stellt, sondern der Download- oder Streaming-Plattform. Dadurch handelt es sich um ein B2B-Geschäft.

Im- & Exporte aus und in Drittstaaten

Frage: Worauf muss ich als Kleinunternehmer bei Im- und Exporten aus und in Drittstaaten achten?

Antwort: Bei der Einfuhr (= Warenimport) aus Drittstaaten wird in Deutschland Einfuhrumsatzsteuer erhoben. Dabei gelten die gewohnten inländischen Steuersätze von 19 % und 7 %. Die Einfuhrumsatzsteuer muss vom deutschen Unternehmer an die zuständigen Zollbehörden bezahlt werden. Umsatzsteuerpflichtige Unternehmer dürfen die Einfuhrumsatzsteuer wie die Vorsteuer von der Umsatzsteuerschuld abziehen. Da Kleinunternehmer nicht vorsteuerabzugsberechtigt sind, bekommen sie auch die Einfuhrumsatzsteuer nicht erstattet.

Ausfuhrlieferungen (= Warenexporte) an Unternehmer in Drittländer sind im Regelfall in Deutschland steuerfrei.

Dienstleistungen aus und in Drittstaaten

Frage: Was ist bei grenzüberschreitenden Dienstleistungen in und aus Drittstaaten zu beachten?

Antwort: Für grenzüberschreitende Dienstleistungen für Kunden in Drittstaaten gibt es keine einheitlichen umsatzsteuerlichen Rechtsgrundlagen:

Letztendlich kann nur ein Blick in das jeweilige nationale Gesetz und die mit Deutschland bestehenden bilateralen Abkommen Gewissheit über die steuerliche Behandlung grenzüberschreitender Dienstleistungen geben. Die Details klären Sie am besten mit einem Steuerberater. Sie können sich auch an die Im- und Export-Abteilungen der IHK wenden oder direkt beim Finanzamt nachfragen.


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